Weblog des Dirigenten Ekkehard Klemm, Dresden
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3.1.04

Der Vollst?ndigkeit halber nun auch hier mein Text, den ich DR?BEN entworfen habe (wo es z.B. auch Kursivschrift problemlos gibt).

Ich f?hle mich ertappt.

Als eher kritischer Protestant mit einer Neigung zur ironisierenden Brechung, die aber eigentlich nur den Zweck erf?llt, das, worum es eigentlich geht, hervorzuholen, freizulegen, als solcher also f?hrte mich eine famili?re Tradition am Silvestertag in einen sehr sch?nen methodistischen Gottesdienst. Und dort ist es ?blich, da? man sich eine Karte mit einem Bibelspruch f?r das neue Jahr ziehen kann.

"Meine Zeit steht in deinen H?nden, Herr." (Psalm 31,16)

Weit entfernt davon, solchen Spr?chen prophetische Gaben zuzumessen, war ich dennoch tief beeindruckt und f?r einen Moment ergriffen. Sehen wir mal vom aufr?ttelnden Inhalt als solchen ab (die Gegen?berstellung meine Zeit - in deinen H?nden, ich - getragen in den H?nden des Herrn, und vor allem: meine Zeit steht!! - sie vergeht nicht, sondern steht, hier w?re zweifellos ein Blick ins Griechische gut), sehen wir auch davon ab, da? hinsichtlich eines best?ndig auf Autobahnen umherd?senden Musikers der Spruch eine Warnung impliziert...

...nein, fern aller vordergr?ndiger Deutungen war ich beeindruckt, weil dieser Text in einem zu Ende gehenden Jahr eine ganz besondere Wirkung gewann:

Es war 1986, da? ich den Komponisten Avet Terterian aus und in Armenien kennenlernte, dessen Werk ich bis dahin nicht kannte. Es ereilte mich immens und ich war hingerissen. Die Oper DAS BEBEN war dennoch f?r das zun?chst interessierte Theater in Halle unausf?hrbar. 1988 bebte in Armenien die Erde so wie jetzt im Iran. Terterian und seine Oper wurden anschlie?end ein Opfer der Wende im gesamten Ostblock. Ohne eine Auff?hrung erlebt zu haben, stand 1994 Terterians Zeit in den H?nden des Herrn - er starb v?llig unerwartet und viel zu fr?h. Viel sp?ter nahmen seine Witwe und ich wieder Kontakt auf, sie war ?berzeugt, da? auch die Oper noch ihre Zeit erhalten wird. 2003 war es so weit und ich durfte dieses gro?artige, bedr?ckende wie beeindruckende Werk urauff?hren. Am Ende dieses nun auch sonst f?r mich nicht gerade ereignisarmen Jahres ereilen uns nun die schrecklichen Berichte aus Bam - Beben, Tod und Verw?stung. Die Realit?t hat die Kunst wieder eingeholt. Unsere Zeit in den H?nden des Herrn - wie immer wir das deuten wollen, wie fromm, wie gebrochen ironisiert (das steht uns in diesem Zusammenhang wohl nicht an).

Ein Text, der mich wie ein Beben gesch?ttelt hat, nachdem ich vorher so piet?tlos geredet hatte...

Ein Text, der einen ganz intimen Sinn entfaltete f?r mich und mein ganz eigenes Jahr 2003.



4.1.04 23:27
 



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